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Andree MUNCHENBACH
10 décembre 2016

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Lettre à Dr. Hans Zehetmair

Betrifft : Teilnahme am Rat für deutsche Rechtschreibung

Sehr geehrter Herr Staatsminister,

Als Vorsitzende der elsässischen Partei Unser Land, die sich unter anderem um das Bewahren der elsässischen Sprache aktiv einsetzt, erlaube ich mir, mich an Sie zu wenden.

Frankreich ist ein natürlicher Motor für die Verteidigung und die Verbreitung der französischen Sprache in der Welt und wichtigstes Mitglied der Internationalen Organisation für die Francophonie. Da es in Frankreich auch Gebiete deutscher Sprache gibt – das Elsass und Teile des Moseldepartements – könnte sich Frankreich an ähnlichen Institutionen für die deutsche Sprache beteiligen. Dazu gehört insbesondere der Rat für deutsche Rechtschreibung, in dem deutschsprachige Länder vertreten sind: Deutschland, Österreich, die Schweiz, das Fürstentum Liechtenstein, die Deutschsprachige Gemeinschaft Belgiens, die Autonome Provinz Bozen-Südtirol und als kooptiertes Mitglied Luxemburg. Umso erstaunlicher ist es, dass Frankreich trotz seiner deutschsprachigen Gebiete nicht mitarbeitet.

In Frankreich hat das Deutsche noch keinen offiziellen Status, und Frankreich hat die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen bislang nicht ratifiziert. Dennoch ist Elsässerdeutsch eine lebende Sprache. Es blickt auf eine mehr als 1500-jährige Geschichte zurück.

Im Jahre 842 haben Ludwig der Deutsche und Karl der Kahle, die beiden Enkel Karls des Großen, die Straßburger Eide unterzeichnet, eins der ersten zweisprachigen Schriftstücke überhaupt, verfasst in Althochdeutsch und Altfranzösisch.

Das erste literarische Werk in deutscher Sprache, das Evangelienbuch, stammt von Otfried von Weißenburg, einem elsässischen Schriftsteller des 9. Jahrhunderts. Im Mittelalter, in der Renaissance, zur Zeit des Humanismus und während der Reformation, bis ins 15. Jahrhundert hinein waren Elsässer unter den bedeutendsten Schriftstellern der deutschen Sprache – darunter Gottfried von Straßburg, Autor von Tristan und Isolde, Johannes Tauler, Beatus Rhenanus und Sebastian Brant, Autor des Narrenschiffs.

„Das Elsass war Vorreiter in Deutschland beim Übergang vom Lateinischen zur Deutschen Sprache“, schreibt Professor Paul Lévy. Die erste auf Deutsch erstellte Urkunde datiert von 1255 und wurde im Elsass vom Lautenbacher Ordenskapitel verfasst. Im übrigen Deutschland begann man erst im 14. Jahrhundert, Urkunden auf Deutsch statt auf Latein zu verfassen.

Die deutsche Sprache ist in unserem Land tief verwurzelt. Das Elsass hat eine ganz besondere Rolle im deutschen Sprachraum gespielt – es könnte als „Hüterin“ der deutschen Sprache gelten.

Es scheint uns legitim und notwendig, auf diese besondere Rolle des Elsass hinzuweisen. Frankreich könnte stolz sein darauf, zusammen mit vielen anderen wichtigen europäischen Ländern an der Weiterentwicklung der deutschen Sprache mitzuwirken. Dies wäre auch eine Bestätigung der Rolle des Elsass als Brücke zwischen zwei Sprachen und zwei Kulturen.

Die Verantwortlichen der kulturellen Vereinigungen im Elsass und im Moseldepartement, allesamt perfekt zweisprachig, sind bereit, Frankreich bei den nächsten Sitzungen des Rates für deutsche Rechtschreibung zu vertreten.

Wir hoffen, dass dieser Vorschlag Ihr Interesse geweckt hat und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

Andrée Munchenbach

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